Heinz-Westphal-Preis

Vielfalt in der ehrenamtlichen Jugendarbeit

Die Preisträger_innen des Jahres 2015

 

Die Preisträger_innen der letzten Jahre machen deutlich, dass in der Jugendarbeit eine ganze Menge Leben steckt. Sie kommen aus allen möglichen Ecken Deutschlands und gehören zu ganz unterschiedlichen Organisationen und Verbänden. Alle haben etwas Neues auf die Beine gestellt und die Jugendarbeit spannender gemacht. Sie haben selbst das Heft in die Hand genommen: Und dafür wurden sie mit dem HEINZ-WESTPHAL-PREIS ausgezeichnet.

Preis in der Kategorie "GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE"

Deutsche Gehörlosen-Jugend für ihr „Jugend-Sommer-Camp 2014“

Das Urteil der Jury:

Die Deutsche Gehörlosen-Jugend schafft für taube und schwerhörige junge Menschen einen Raum für Erlebnis und Erfahrung – selbstbestimmt und selbstorganisiert. In Sommercamps haben Jugendliche die Chance, sich neu zu entdecken und Kontakte zu knüpfen. Sie erfahren, dass sie trotz Barrieren und erschwerter Bedingungen in einer Welt der Lautsprache mit ihren Fähigkeiten vielfältige Möglichkeiten nutzen können. Dieses Empowerment ist wichtig und richtig. Die Gehörlosenjugend bricht die im Alltag schwere Kommunikationssituation auf und richtet damit den Blick auf alle Themen, die junge taube und schwerhörige Menschen bewegen – mit Hilfe der Gebärdensprache und im Camp unabhängig von ihrer Einschränkung.

Zugleich macht sich die Gehörlosenjugend dafür stark, dass Gebärdensprache ein anerkannter Teil der Kommunikation in der Gesellschaft wird. Sie fordern die Teilhabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und damit eine gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft. Sie fordern den besseren Zugang zu Bildungs- und Kulturangeboten. In diesem Engagement möchten wir die Gehörlosenjugend ermutigen.

Preis in der Kategorie "VIELFALT"

Queerblick für das Projekt „queerblick.tv"

Begründung der Jury:

Queerblick möchte mit Videos anderen Jugendlichen zeigen, dass es okay ist, queer zu sein. Sie bieten Informationen und vermitteln das Gefühl, nicht alleine zu sein mit den vielen Fragen beim Coming-Out. Sie unterstützen damit den ersten Schritt zu einer selbstbewussten Identität und zu Selbstakzeptanz. Das gelingt ihnen mit einem niederschwelligen Angebot, bei dem junge Menschen selbst Filme produzieren, dadurch zu sich stehen und anderen ein Beispiel geben. Die Filme sind darüber hinaus ein Beitrag, gesellschaftliche Akzeptanz für schwule, lesbische, bisexuelle und transsexuelle junge Menschen zu erreichen.

Mit ihrem Magazin queerblick greifen sie wichtige Themen auf. Sie schaffen positive Bilder, auch Vorbilder abseits von Klischees und Stereotypen. Durch die Ausstrahlung via YouTube gehen sie zudem in den Dialog mit den Zuschauer_innen und wagen sich auch den Konflikt mit Kommentator_innen, die ihnen feindlich gesinnt sind.

Mit der begleitenden medienpädagogischen Arbeit schafft queerblick einen nachhaltigen Effekt. Es entsteht ein großer Kreis Engagierter, die unterstützen, Erfahrung weitergeben und aus dem Projekt ein wichtiges dauerhaftes Angebot machen.

Preis in der Kategorie "INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT"

Das Urteil der Jury:

Die jungen Menschen von Cafébabel blicken über Grenzen, während in Europa wieder mehr oder weniger offen über neue Grenzen geredet wird. Sie nutzen, dass die junge Generation in Europa ohne Reisebeschränkungen, ideologische Grabenkämpfe oder Angst vor Krieg aufwächst und setzen sich auf ihrer Online-Plattform zugleich mit diesen Themen auseinander, schauen hinter den Vorhang der Geschichte und denken über die gemeinsame Zukunft in Europa nach. Ihnen gelingt eine zeitgemäße Auseinandersetzung, sie schaffen ein lesenswertes E-Magazin in vielen Sprachen.

Die Themen auf Cafébabel sind aktuell. Erfrischend ist der Blick junger Menschen darauf und ihre oft besondere Perspektive. Ihr crossmediales Reportageprojekt offeriert Europa-Themen in einer Mischung aus Lifestyle, Kultur, Gesellschaft und Politik. Die Vielfalt spiegelt ein Europa, das nicht ohne Probleme ist, aber voller Zuversicht. Mit „Beyond the Curtain – 25 Years of Open Borders“ setzt Cafébabel Europa als Idee auf eine neue Art um.

Preis in der Kategorie "DIGITALE MEDIEN"

Die Naturfreundejugend Deutschlands für ihr Projekt „Capture your life“

 

Das Urteil der Jury:

Die Naturfreundejugend Deutschlands gibt jungen Menschen mit dem Digital Storytelling ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie aus ihrem Leben erzählen können. Bei „Capture Your Life“ haben die Naturfreunde in Workshops und Seminaren sehr unterschiedliche junge Menschen erreicht. Sie haben sich dazu weit über ihren Ver-band hinaus vernetzt. Das Projekt kombiniert auf sehr gute Weise Klassiker der Jugendarbeit wie die Biografiearbeit, die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, die politische Bildung mit digitalen Möglichkeiten – ohne damit zu überfordern. Mit dem Projekt "Capture Your Life" konnten sich junge Menschen eindrucksvoll und vielfältig mitteilen. Mit der entsprechenden Arbeitshilfe wurde das Projekt nachhaltig und das Digital Storytelling für die Jugendarbeit nutzbar gemacht.

Mit „Capture Your Life“ schafft die Naturfreundejugend Deutschlands zugleich einen beeindruckenden Blick auf Jugendliche und auf deren Sorgen, Ideen, Wünsche und Forderungen. Mit dem Digital Storytelling haben die Naturfreunde jungen Menschen nicht nur ein Werkzeug an die Hand gegeben, sondern eine Plattform, eine Stimme geschaffen. Durch "Capture Your Life" erreichen Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen und Jugendwelten durch die Kombination aus Fotos, Zeichnungen und Tönen andere Menschen und was es zu sehen und zu hören gibt, sind keine gestylten Werbeclips, sondern wirkliche Geschichten aus dem Leben, digital aufbereitet – einfach, kurz, authentisch.

Preis in der Kategorie "AKTUELLES"

Die Europaschule Troisdorf für ihr Projekt "Willkommen in Troisdorf"

Das Urteil der Jury:

Die Schüler_innen haben mit ihrem Projekt ein Zeichen gesetzt in einer Zeit, in der viele Menschen Zuflucht in Deutschland suchen. Sie sagen „Willkommen in Troisdorf“ zu jungen Flüchtlingen, gehen auf sie zu und nehmen sie mit in ihren Alltag. Sie widersprechen mit ihrem Tun jenen, die verhindern wollen, dass Menschen auf der Flucht zu uns kommen. Die Schüler_innen selbst lernen die Situation junger Geflüchteter kennen, indem sie mit ihnen zusammen sind, Zeit mit ihnen verbringen, ihnen zuhören. Die Schule war dafür der Startpunkt, aber das Engagement der Schüler_innen geht weit über den Stundenplan hinaus.

Sie haben bei Sprachbarrieren geholfen oder jungen Geflüchteten die Stadt, Treffpunkte und Freizeitmöglichkeiten gezeigt und dadurch mit ihrem Engagement gezeigt, wie einfach es sein kann und mit wie wenig Aufwand sich viel bewirken lässt. Und sie haben demonstriert, dass Schule ein Ort sein kann, an dem nicht nur Noten und Leistung zählen. Schule kann auch ein Ort sein, an dem junge Menschen das Miteinander gestalten, freiwilliges Engagement starten und Verantwortung übernehmen.

SONDERPREIS DER STIFTUNG Jugend macht Demokratie

Evangelische Jugend Frömern für ihr Projekt „Sei kein Schaf, geh wählen!“

Das Urteil der Jury:

Die Evangelische Jugend Frömern hat sich mit großem Engagement für eine starke Demokratie eingesetzt. Mit ihrer originellen Aktion „Sei kein Schaf, geh wählen!“ ist es ihnen gelungen, die Beteiligung an der Kommunal- und Europawahl in 2014 zu steigern. Die Aktion besticht durch eine gelungene Kombination aus Witz, politischer Bildung und Wahlkampagne. Wenn plötzlich überall im Ort bunte Schafe zur Wahl motivieren, wenn Politiker_innen in guter Atmosphäre mit Jugendlichen in Dialog kommen und am Wahltag Menschen sogar zum Wahllokal gebracht werden, dann macht Jugend Demokratie – über den Wahltag und die Öffnungszeiten der Wahllokale hinaus.

Die Evangelische Jugend Frömern beweist damit: Jungen Menschen ist die Demokratie nicht egal; sie peppen sie mit guten Ideen auf und sind in der Lage, einen ganzen Ort zu begeistern, ein gutes Beispiel für andere zu sein.

Mit dieser Aktion hat die evangelische Jugend Frömern einen großen Beitrag geleistet. Denn sie haben anderen Mut gemacht und das Vertrauen in die Demokratie gestärkt. „Sei kein Schaf, geh wählen!“ ist einfach nachzumachen und wirkungsvoll. Hoffentlich finden sich viele, die es ihnen gleichtun: Eine witzige Idee haben, für die Wahl werben und damit nicht nur junge Menschen für die Demokratie begeistern.