Heinz-Westphal-Preis

Vielfalt in der ehrenamtlichen Jugendarbeit

Die Preisträger_innen des Jahres 2013

Die Preisträger_innen der letzten Jahre machen deutlich, dass in der Jugendarbeit eine ganze Menge Leben steckt. Sie kommen aus allen möglichen Ecken Deutschlands und gehören zu ganz unterschiedlichen Organisationen und Verbänden. Alle haben etwas Neues auf die Beine gestellt und die Jugendarbeit spannender gemacht. Sie haben selbst das Heft in die Hand genommen: Und dafür wurden sie mit dem HEINZ|WESTPHAL|PREIS ausgezeichnet.

Erster Preis

Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg

Die Begründung der Jury:

Der Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg leistet mit seiner Kinderstadt einen bemerkenswerten Beitrag zur politischen Bildung von Kindern und Jugendlichen. Die gute Methode Kinderstadt wird durch den Umfang und die Dauer zu einem Erlebnis für mehr als 300 Kinder zwischen acht und 14 Jahren. Sie ist mehr als ein Rollenspiel, sie ist ein Beitrag zur Stärkung der Demokratie in einer jungen Altersgruppe. Die Kinder erfahren, welche Dinge für das Gelingen einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind. Sie tragen Verantwortung für sich und andere. Sie verstehen Zusammenhänge und das durchaus komplexe System eines Gemeinwesens – und das in einer altersgemäßen Form, die zudem Spaß macht. Dem Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg gelingt es außerdem, sehr viele Ehrenamtliche nachhaltig in das Projekt einzubinden. Er stärkt und fördert damit das Engagement von mehr als 150 jungen Menschen aus unterschiedlichen Jugendverbänden. Er vernetzt und bietet Austausch über den eigenen Verband hinaus auf eine originelle Weise. Durch umfassende Kooperation schafft es der Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg, die Bevölkerung, die Verwaltung, die Politik und die regionale Wirtschaft in den Dienst der Jugendarbeit zu stellen. Als Selbstorganisation junger Menschen übernimmt er damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, stiftet Solidarität, Erlebnis und Freude – und macht Kindern Lust auf Demokratie.

Zweiter Preis

Heroes München

Die Begründung der Jury:

Die Heroes München springen über ihren Schatten und wagen eine persönliche Auseinandersetzung mit sehr verschieden geprägten Rollenbildern und persönlicher Identität. Sie zeigen Mut, innere Konflikte nach Außen zu tragen. Mehr noch: Sie regen Gleichaltrige an, ihnen darin zu folgen und verändern so in kleinen Schritten Gesellschaft. Bemerkenswert ist, dass sich die jungen Männer mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergünden und Herkünften selbstbestimmt zusammenschließen und sich unter fachlicher Begleitung offen an innere und äußere Konflikte wagen. Sie setzen sich mit Themen wie Ehre, Männlichkeit, Homosexualität und Gewalt auseinander. Sie arbeiten daran, Vorbilder in ihren jeweiligen Communities zu werden. Und sie tanken in ihrem Projekt Kraft, andere Gleichaltrige in ähnlicher Lage anzustiften, das auch zu tun. Sie haben im Rahmen des Projektes ihre eigene Haltung geprüft und verändert. Und damit haben nicht nur sie selbst Selbstbewusstsein gewonnen. Sondern sie besuchen als offizielle Heroes Schulklassen, Ausbildungsstätten oder Jugendeinrichtungen, wo sie Workshops für Mädchen und Jungen zum Thema Ehre leiten. Dadurch stoßen sie auch in ihrem Umfeld ein Nachdenken über geprägte Haltungen und Sichtweisen an. Heroes ist damit Einsatz für die Gleichberechtigung, in dem sich junge Männer aus Ehrenkulturen gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre und für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern engagieren. Die Heroes München dienen als Beispiel und stärken mit ihrem Projekt das Netzwerk ähnlicher Initiativen in Berlin, Nürnberg und Köln, sie regen zum Nachahmen an.

Dritter Preis

Malteserjugend Emsdetten

Die Begründung der Jury:

Die Malteserjugend Emsdetten zeigt im Rahmen der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), das Engagement junger Menschen einen sehr konkreten Gewinn für sie selbst und andere bedeuten kann. Im Rahmen des Projektes ist mit dem Sinnesgarten im Altenwohnheim St. Josephstift etwas entstanden, dass einen hohen Wert für die älteren Bewohner_innen und die jungen Menschen hat. Und es ist etwas entstanden, dass die zeitlich begrenzte Sozialaktion deutlich überdauert. Gelungen ist der Ansatz, mit dem Garten in der Lebenswelt der Seniorinnen anzusetzen, bewusst ihre Sinne anzusprechen und schöne und gute Erinnerungen zu wecken. Der Malteserjugend hat die Erfahrungen und das Wissen der Bewohner_innen des Stifts eingebunden und eine Brücke zwischen den Generationen gebaut. Mit dem Garten ist über die Aktion hinaus ein Ort der Begegnung entstanden. Die Malteserjugend steht auch stellvertretend für 4.000 Gruppen des BDKJ, die in 72 Stunden in ganz Deutschland hunderttausende Ehrenamtliche aktiviert haben, Sponsoren gesucht, Pläne geschmiedet, umgesetzt und die Welt ein Stück besser gemacht haben. Das alles mit einer enormen Begeisterung und Kraft. Junge Menschen haben wie bei der Malteserjugend Emsdetten gezeigt, dass sie ehrenamtlich sehr aktiv sind und Gesellschaft sinnvoll gestalten wollen, wenn sie die Freiräume dazu bekommen.

Ehrenpreis

SJD - Die Falken, Hamburg

Die Begründung der Jury:

Die SJD – Die Falken im Landesverband Hamburg haben aus einem aktuellen Problem in einem Sommercamp spontan eine beeindruckende Aktion gemacht, die weit über die Ferienfreizeit hinaus wirkt. Das Thema Asyl und Abschiebung platzte in eine Ferienmaßnahme, in der eigentlich Spiel und Spaß im Mittelpunkt standen. Alle Kinder und Jugendliche im Sommercamp haben sich mit den vier von der Abschiebung bedrohten Teilnehmerinnen solidarisch erklärt und ihr Bleiberecht gefordert. Nachdem sich die Abschiebung nicht verhindern ließ, haben die Falken die Familie bei dem Umbruch begleitet und sie bis heute unterstützt. Mehr noch: Aus der konkreten Abschiebung ist eine fundierte und pädagogisch begleitete Auseinandersetzung mit dem Thema Asyl und Abschiebung geworden. Damit reagierten die Falken auf das Bedürfnis der Mitglieder, das Erlebte zu verarbeiten. Und sie sensibilisierten mit Broschüren und Ausstellungen, die von den Jugendlichen selbst entwickelt wurden, für das Thema. Die Falken im Landesverband Hamburg sind in der Aufarbeitung nicht stecken geblieben. Sie setzen sich intensiv für die Öffnung des Verbandes für Flüchtlingskinder ein, begleitet durch ein fundiertes pädagogisches Konzept. Die Falken zeigen, dass Jugendverbände in der Lage sind, mit ihren ehrenamtlichen Mitgliedern schnell und wirksam zu handeln.

Sonderpreis

Kreisjugendfeuerwehr Stade

Die Begründung der Jury: 

Der Sonderpreis der Stiftung Jugend macht Demokratie geht an die Kreisjugendfeuerwehr Stade. Sie hat mit ihrer Aktion „1000 Kilometer gegen Rechts“ ein eindrucksvolles Zeichen gegen Rechts gesetzt. Dabei war die Idee einfach und leicht nachzumachen: Eine klare Botschaft auf einen Radanhänger installieren, losradeln und über den eigenen Landkreis hinaus andere anstecken, die Idee weiterzutragen. Es ist gelungen, hunderte Jugendliche gegen Rechts auf die Beine zu bringen, sich mit dem Thema Extremismus auseinanderzusetzen und zu einer großen Aktion zusammenzubringen. Nach 1539 Radkilometern waren 18 Landkreise in Niedersachsen beteiligt, Politiker_innen und die Bevölkerung haben sich hinter die Aktion gestellt. Eine kleine Gruppe junger Menschen der Jugendfeuerwehr hat einfach ein Streichholz entzündet und einen Flächenbrand ausgelöst, den sie ausnahmsweise nicht löschen wollte. Die Kreisjugendfeuerwehr Stade stärkt mit der Aktion die Demokratie und zeigt, wie wichtig Jugendverbände im Kampf gegen rechten Extremismus und Fremdenfeindlichkeit sein können. Weil sie allein durch Ehrenamtliche eine Lawine lostreten können, weil sie gut vernetzt sind und durch starke Verbände starke Jugendliche haben.