Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

SchlauFox e.V.

Die Idee

Hamburg Wilhelmsburg gilt als sozialer Brennpunkt und ist ein sprachlich und kulturell sehr heterogener und wunderschöner Stadtteil. Sehr bunt sieht es auch in den Schulen aus, deren Schüler aus über 50 Nationen stammen. Hamburg profitiert von der ethnischen und sprachlichen Vielfalt, die Familien mit Migrationshintergrund mitbringen. Doch das Potential, das sich dahinter verbirgt, wird kaum erkannt und genutzt.

Daher gab es die Idee zum Buchprojekt „Kunterbuntes Inselleben”: Gemeinsam mit einer 6. Klasse gestalten ein ehrenamtlicher Student und ein Hamburger Künstler ein Buch, in dem es um die Region, um die Lebensgeschichten, (Migrations-) Hintergründe, Träume und Wünsche der Jugendlichen geht. Das Projekt war wöchentlich zwei Stunden in den Unterricht der Schule integriert. Kunst war unsere Methode für den interkulturellen Dialog sowie zur Integration und Benachteiligtenförderung. Für die Klasse war das Buch ein Ergebnis zum Anfassen, etwas, das man gemeinsam erreicht hat.

Warum ist diese Idee herausragend?

Der Lernstoff einer Schule ist umfangreich und lässt oftmals wenig Raum für eine Auseinandersetzung mit den kulturellen Besonderheiten der heterogenen Klassen. Die Ergebnisse sind herausragend, wenn zwei ehrenamtliche und kreative Schulexterne ein Jahr mit in die Klasse gehen und kreative Wege finden, einen Dialog anzuregen, Schüler (ohne Notendruck) über die Maße zu motivieren und sehr verschiedene Jugendliche zu einem gemeinsamem Ziel zu begleiten.

Geplant war es, ein Buch zu erstellen. Ergebnis ist ein professionell gedrucktes und gebundenes Buch, eine lebensgroße Statue, die das Leben auf der Elbinsel Wilhelmsburg verkörpern soll und eine eigene kleine Ausstellung im Hamburger Auswanderer-Museum „Ballinstadt”.

Die Umsetzung

Initiiert wurde das Projekt durch den Verein SchlauFox e.V. (Bildungsförderung für sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche). Eva Wittwer, Studentin der Erziehungswissenschaften, und Thomas Schulz, ein Hamburger Foto- und Video- Künstler haben wöchentlich zwei Stunden den regulären Unterricht der 6c bereichert.

Durch Fotografien, Zeichnungen und unterschiedliche Textformen setzten die Schüler sich mit der ethnischen, sprachlichen und kulturellen Vielfalt der eigenen Schule und ihres außerschulischen Lebensraumes auseinander. Die eigene Herkunft und die Migrationsgeschichten der Kinder und ihrer Familien sowie die Region Wilhelmsburg sind dabei ebenso wichtige Bestandteile wie das Experimentieren mit Farben und künstlerischen Elementen wie Collagen, Ton-, Aquarell- und Plastilinarbeiten sowie Buchbindetechniken. Ergänzt wurde die Arbeit im Klassenraum durch Ausflüge in und um die Region. Abgeschlossen wurde das Projekt mit einem interkulturellen Fest und Buchübergabe.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Zu Projektbeginn standen viele der Jugendlichen am Anfang der Pubertät und sind während des Projektes zu „richtigen” Teenagern geworden. Es war eine gute Zeit, um (ohne Notendruck) auf die Interessen der Jugendlichen eingehen zu können und eine aktive Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen, dem eigenen Leben und dem Leben der Mitschüler zu fördern. Es verbreitete sich merklich ein Klima gegenseitiger Akzeptanz und Anerkennung.

Viele Schüler hatten ein sprachliches Niveau von Schülern der vierten Klasse. Ihnen fiel das Schreiben zu Projektanfang schwer. Im Laufe der Zeit jedoch haben alle Schüler Spaß am Schreiben und Lesen gewonnen und waren vor allem gegen Ende des Projektes sehr fleißig und engagiert dabei. Die unterschiedlichen Projektelemente gaben ihnen Raum, sich auszuprobieren und eigene Fähigkeiten zu präsentieren. Das Wissen darum, nach dieser gemeinsamen Zeit ein echtes Buch mit eigenen Texten und Bildern in Händen halten zu können, motivierte zum engagierten und konzentrierten Arbeiten.

Die Erkenntniss

Motivierte Schüler leisten sehr sehr viel: Es ist immer wieder erstaunlich, dass Jugendliche, die mündlich kaum einen vollständigen Satz sprechen (können), ein so zauberhaftes Buch mit 80 Seiten hervorbringen und es sogar zu einer Ausstellung in einem bekannten Hamburger Museum bringen. Zudem hat ein gemeinsame Projekt und ein gemeinsames Ziel die Klassengemeinschaft merklich gestärkt und einen respektvollen Umgang miteinander gefördert.

Was können andere daraus lernen

Dieses Buch soll die Hamburger Schullandschaft bereichern und anderen Lehrkräften – insbesondere der Region – Inspiration für die interkulturelle Bildung und den künstlerischen Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft sein. Es zeigt auf, wie wertvoll Projektarbeit ist und wie fruchtbar es sein kann, wenn man seinen Unterricht für Schulexterne öffnet.

Wir würden uns freuen, wenn „Kunterbuntes Inselleben” als Modellprojekt dient, das einfach auf andere Schulen, Regionen und Städte zu übertragen ist. Das Buch (und seine zwei Vorgänger) ist für jeden online einsehbar und gegen eine Spende bestellbar. Gerne geben wir Konzept und Tipps an Interessenten weiter.

Projektzeitraum:

23.08.2012 bis 15.08.2013

Kategorie:

freier Träger

Kontakt:

SchlauFox e.V.

E-Mail:
janna.hilger[at] remove-this.schlaufox.de
Web:
http://www.schlaufox.de