Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

Pfadfinderbund Weltenbummler e.V., Stamm Huskies

Die Idee

In den Werkstätten ihrer Väter haben Jugendliche nicht immer die Möglichkeit ihre Bauideen umsetzen zu können und dürfen sich nur eingeschränkt ausprobieren. So entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem freies Handwerken möglich ist: eine mobile Jugendwerkstatt. Seit 2011 können Jugendliche in unserer Werkstatt ihre Kräfte sinnvoll in das Bauen an einem Werkstück einsetzen. Wenn sie dieses dann nach Hindernissen zu ihrer Zufriedenheit fertig stellen, steigern Freude und Stolz über das eigenhändig Geschaffene ihr Selbstwertgefühl. Die Werkstatt bietet mehreren Jugendlichen Platz zum Werken. So können sich die jungen Handwerker bei der Arbeit helfen, Probleme gemeinsam lösen, mit Ideen anregen und Kreativität entwickeln. Unsere Jugendwerkstatt fördert Eigenschaften wie Selbstvertrauen, Initiative und Kreativität – Eigenschaften, welche für die berufliche Qualifikation von Bedeutung sind. Die Erfahrung durch eigenes Geschick brauchbare Produkte zu schaffen, soll das Selbstbewusstsein der Jugendlichen stärken. Das Wissen um das, was sie mit ihren Fähigkeiten erreichen können, soll sie ermutigen ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

Warum ist diese Idee herausragend?

Unsere Werkstatt steht auf Rädern. So kann sie nicht nur unseren Pfadfindern für handwerkliche Arbeiten dienen. Wir konzipieren immer wieder neue Workshops und fahren mit dem Wagen vor die Haustür der Kinder und Jugendlichen unserer Region. Und die Workshops zu Schulfesten oder dem Weihnachtsmarkt werden immer besser angenommen. Diese mobile Werkstatt nutzen aber auch andere Kinder- und Jugendgruppen für eigene Werkprojekte. Sie animiert dazu, selbst aktiv zu werden: den Jugendclub aufzumöbeln, eine Skate-Halfpipe zu errichten oder Nisthilfen für Vögel zu bauen. Weil solche Projekte dem Gemeinwohl oder der Umwelt dienen, ergibt sich ein weiterer Gewinn. Darüber hinaus bietet die Werkstatt vielfältige Kooperationsmöglichkeiten. Wie wäre es mit einem Bike-Check mit dem örtlichen Fahrradhändler im Frühjahr? Mitarbeiter der NABU-Ortsgruppe können beim Nistkasten-Bau anleiten. Mitglieder des Oldtimerclubs helfen, ein Moped herzurichten. Durch Kooperationen mit Handwerksbetrieben lässt sich gezielt Berufsvorbereitung betreiben. Durch gemeinsames Werken mit Papa oder Opa fördern wir den Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen.

Die Umsetzung

Die Idee zum Ausbau einer mobilen Jugendwerkstatt entstand durch Jugendliche selbst. Wir bauen seit etwa zehn Jahren ein ehemaliges Ziegelei-Gelände zu einem Abenteuer- und Erlebniscamp aus. Dafür liehen wir uns immer wieder die Werkzeuge unserer Väter. Weil ihnen diese dann oft zu Hause fehlten, mitunter auch mal was kaputt ging, reifte die Idee selbst eine Werkstatt einzurichten. Wir überlegten, wie sich die hohen Investitionskosten nachhaltig einsetzen ließen. Nach Abschluss des Geländeausbaus sollten die Werkzeuge nicht ungenutzt verstauben. So entstand die Idee einer mobilen Werkstatt, die möglichst vielen jungen Menschen unserer Region die Chance bietet, ihre handwerklichen Fähigkeiten zu verbessern. Wir kauften einen ausrangierten Bauwagen, entkernten den Wagen, verkleideten den Innenraum mit Grobspanplatten, verlegten Holzdielen, installierten unter Anleitung die Elektrik, montierten Werkbänke und arbeiteten die „Außenhaut” des Wagens auf, sodass aus ihm wieder ein Schmuckstück wurde. Nach Fertigstellung des Wagens konzipierten wir gemeinsam erste Workshops zum Werken. Eine im Werkstattwagen eingerichtete Bibliothek half uns dabei.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Zunächst einmal waren wir von dem Elan aller Mitwirkenden beim Ausbau der mobilen Werkstatt überrascht. Das ging soweit, dass einzelne Jugendliche nach Schulschluss allein zur Baustelle fuhren, um eigenständig die Dielen weiter zu verlegen. Väter und Großeltern brachten sich mit Rat und Tat in die Gestaltung des Wagens ein. So hatte der Ausbau auch eine generationenverbindende Wirkung und sorgte dafür, dass Jung und Alt voneinander lernen konnten. Seit Inbetriebnahme der mobilen Werkstatt stellen wir eine zunehmende Begeisterung von Kindern und Jugendlichen für unsere Angebote fest. Und diese Werkstatt bringt seitdem so manche Kinder- und Jugendeinrichtung der Stadt auf die Idee neue Bildungsangebote zu entwickeln und die Werkstatt selbst zu nutzen. Wir erlebten bei handwerklichen Teamspielen, wie sehr sich Eltern und Kinder gleichermaßen fürs gemeinsame Bauen begeistern lassen, wie einander zuvor fremde Familien über das gemeinsame Werken ins Gespräch kommen.

Die Erkenntniss

Unsere mobile Jugendwerkstatt ist auf Initiative und durch das ehrenamtliche Engagement von Jugendlichen entstanden. Wir schließen daraus, dass man Jugendlichen den Freiraum einräumen sollte, eigene Ideen zu verwirklichen. Es bedarf einer Unterstützung, damit Jugendliche solch kühne Ideen, wie die einer 11.000 Euro teuren mobilen Werkstatt in die Tat umzusetzen. Junge Menschen müssen in ihrem gesellschaftlichen Engagement bestärkt werden, anstatt sie mit Vorbehalten und Bedenken bei der Projektrealisierung auszubremsen. Diese Erkenntnisse haben unter anderem anhand unserer mobilen Werkstatt auch unsere Stadträte gewonnen. Sie versprachen sich in Zukunft wieder stärker um die Bedürfnisse der Jugend zu kümmern und ihre Initiativen stärker zu unterstützen.

Was können andere daraus lernen

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein solch arbeitsintensives Projekt in der Umsetzung nur Gelingen kann, wenn die Jugendlichen Geduld und Ausdauer mitbringen. Sinnvoll ist es deshalb, sie schon bei der Planung des Projekts mit einzubeziehen, damit sie das Vorhaben engagiert mittragen. Weiter ist es wichtig, dass es von Seiten des Trägers einen Koordinator mit handwerklichem Sachverstand gibt, der das Projekt vorantreibt und fachlich begleitet. Zudem hat sich für uns ein gutes Netzwerk als bereichernd erwiesen. Denn nicht zuletzt durch die gute Zusammenarbeit mit Eltern und ortsansässigen Handwerkern haben wir unser Projekt zum Erfolg führen können. Zur nachhaltigen Nutzung des Werkstattwagens ist es sinnvoll, Handwerksfirmen der Region auf das Projekt aufmerksam zu machen und auch den Nutzergruppen eine Kooperation mit Betrieben nahe zu legen. Denn so können die im Wagen betreuten Jugendlichen am meisten von der Einrichtung profitieren: Sie lernen praxisrelevante Fertigkeiten, die ihnen beim Einstieg in einen handwerklichen Beruf oder in ein technisches Studium von großem Nutzen sein können.

Projektzeitraum:

02.09.2011 bis 30.08.2013

Kategorie:

Jugendverband / Jugendring

Kontakt:

Pfadfinderbund Weltenbummler e.V., Stamm Huskies

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