Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

MIKO (Menschen in Kooperation)e.V.

Die Idee

Das Patenprojekt „DU & ICH” ist ein niedrigschwelliges Angebot, das in erster Linie auf Kinder im Grundschulalter (mit und ohne Migrationshintergrund) aus Familien mit geringem Sozialstatus, die verschiedenste Armutserscheinungen aufweisen, abzielt.

Insbesondere Kinder bei denen eine beginnende Ausprägung von Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, oppositionelles Verhalten, Motivations- und Antriebslosigkeit sowie Lernschwierigkeiten und Verweigerungstendenzen zu beobachten sind, sollen in Form von Patenschaften Unterstützung erfahren.

In zweiter Linie zielt das Patenprojekt auf Kinder ab, bei denen primär schulische Defizite als entwicklungshemmendes Risiko ausgeprägt sind und die vorübergehend oder längerfristig von zu Hause nicht die notwendige Unterstützung bekommen, die erforderlich wäre, um ihre erfolgreiche schulische Entwicklung sicher zu stellen.

Patenschaften sind ein Modell, in dem all diese Bedürfnisse zusammenfinden können: Kinder, die zusätzliche Aufmerksamkeit genießen. Eltern, die sich über Unterstützung freuen. Jugendliche, die es bereichert, ein Kind begleiten zu können.

Warum ist diese Idee herausragend?

Das außerordentliche ehrenamtliche Engagement der Paten_innen macht das Projekt „DU & ICH” stark und zu dem was es ist: ein kleiner aber beharrlich laufender Motor, der die positive Entwicklung jedes einzelnen Patenkindes vorantreibt. Die Paten_innen wirken in ihrer Rolle aufgrund ihrer persönlichen Sozialisation und positiven Lebenserfahrungen nicht als eine Art Lehrmeister, sondern leben eine positive Lebenswelt vor. Als Laien bewahren die Paten_innen Authentizität und aktivieren zur Nachahmung.

Die Umsetzung

Engagierte Jugendliche treffen regelmäßig (vier bis sechs Stunden wöchentlich) ein Kind für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Indem sie als Paten_innen Zeit und Zuwendung schenken, fördern sie die Entwicklung. Bei gemeinsamen Aktivitäten bauen sie eine lebendige, vertrauensvolle Beziehung auf.

Beide unternehmen, was Spaß macht und sonst im Alltag des Kindes zu kurz kommt: Sei es Fußball spielen, Kuchen backen, ein Museum besuchen, Hausaufgaben machen oder das Fahrrad reparieren. Und über die großen und kleinen Fragen des Lebens plaudern. Die Patin/der Pate ist dem Kind ein freundschaftlicher Begleiter. Eine zusätzliche Vertrauensperson, die vieles sein kann: Spielgefährte, Zuhörer, Mutmacher, Lotse oder Vorbild. Patinnen und Paten geben Anregungen und fördern die Begabungen und die Resilienz des Kindes.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Die Patenschaften tragen nicht nur zur unmittelbaren Problemreduzierung bei, sondern dienen gleichzeitig auch als Modelle für ein aktives und konstruktives Bewältigungsverhalten sowie für prosoziale Handlungsweisen.

Durch die Patenschaft zeigen sich erste Ergebnisse — zum Beispiel höhere Sozialkompetenz. Die Kinder sind verantwortungsbewusster, selbstständiger und zielorientierter. Darüber hinaus zeigen sie Empathie und Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Menschen. Das Engagement und die Motivation nehmen während der Projektzeit zu, die Lehrer berichten über gesteigerte Konzentration im Unterricht und folglich eine höhere Leistungsbereitschaft verbunden mit vermehrten schulischen Erfolgserlebnissen.

Die Schulleitung „GS am Annatal” berichtete: „Es gibt richtige Erfolge. Gefühle, Emotionen und Erlebnisse werden verarbeitet und die Kinder gehen wirklich aufrechter hier durch die Schule. Die Aggressivität mildert sich und es gab Rückmeldungen von Lehrern, dass sich das Verhalten im Unterricht gebessert hat“.

Die Erkenntniss

Die Paten, Lehrer, Kitaerzieherinnen berichten über das verbesserte Einhalten oder Erlernen von Regeln in der Gruppe. Dazu zählen Umgangsformen – wie etwa das Begrüßen – ebenso wie das Einhalten von Hygieneregeln, etwa beim Kochen oder Schwimmen.

Erworbene Fähigkeiten bei Patenkindern, die seit Beginn des Projektes dabei sind:

 

  • sozial verträgliche Problemlösungsfähigkeiten
  • Selbstwirksamkeit erkennen und erfahren
  • positives Selbstkonzept/Selbstvertrauen/Selbstwertgefühl
  • Fähigkeit zur Selbstregulation
  • sicheres Sozialverhalten/Auftreten
  • sicheres Bindungsverhalten
  • Freude am Kompetenzerwerb
  • Entwicklung von Interessen/Hobbys
  • Zielorientierung
  • gesteigerte Kreativität
  • körperliche Gesundheitsressourcen

Die Patenkinder geben an „viel Neues gelernt” zu haben. Die durch die Patenschaft erworbenen Kompetenzen können gewinnbringend in der Schule eingebracht werden (verbesserte Schulleistungen, wie zum Beispiel Schulnoten, Versetzung nicht mehr gefährdet). Darüber hinaus wird die Motorik verbessert und Entwicklungsdefizite werden abgebaut.

Alle Patenkinder kommen zu folgender Aussage: „Ich habe durch meine_n Patin/Paten festgestellt, dass ich ganz viel prima kann.“

Was können andere daraus lernen

Ehrenamt mit dem richtigen Rahmen kann Spaß machen, denn durch soziales Engagement bekommt man auch etwas zurückbekommt. Es ist wichtig, Kindern eine Zukunftsperspektive zu bieten, denn Kinder sind unsere Zukunft. 

Projektzeitraum:

01.06.2010 bis 31.12.2013

Kategorie:

freier Träger

Kontakt:

MIKO (Menschen in Kooperation)e.V.

E-Mail:
mikoev[at] remove-this.gmx.de
Web:
http://www.miko-strausberg.de