Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg e.V.

Die Idee

In dem Projekt „Das STADT-SPIEL – Kinder gestalten ihre Welt” lernen 300 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren Demokratie. Sie leben zehn Tage mit rund 150 ehrenamtlichen Betreuern in der von ihnen selbst gestalteten und selbst verwalteten Kinderzeltstadt Tillhausen.

Wie im richtigen Leben arbeiten die Kinder, suchen sich beim Arbeitsamt einen von fast 50 verschiedenen Jobs aus und verdienen sich ihre Till Taler. Alle verdienen den gleichen Lohn. Der Verdienst kann in einem geschlossenen Wirtschaftskreislauf für stadtintern produzierte Waren und angebotene Dienstleistungen wieder ausgegeben werden — zum Beispiel für Produkte des Kunsthandwerkermarktes, Fahrten im Reisebüro oder selber gebackenen Kuchen in der Cafeteria.

Jede Zeltgruppe wählt einen Vertreter für das Stadtparlament, aus diesen Reihen wird anschließend ein Bürgermeister gewählt. Hier werden Anregungen, Kritikpunkte und Fragen des gemeinsamen Lebens in Tillhausen diskutiert und geregelt. So werden demokratische Prozesse eines Gemeinwesens für Kinder und Jugendliche begreifbar und erlebbar gemacht.

Warum ist diese Idee herausragend?

Beim „STADT-SPIEL” lernen Kinder fürs Leben. Demokratie wird erlebbar gemacht, eine Beteiligung an demokratischen Prozessen auf den Stufen Mitsprache und Mitwirkung sowie Mitbestimmung wird umgesetzt. Schon in der Planung und Vorbereitung des Projektes sind Kinder und Jugendliche beteiligt. Bei regelmäßigen Treffen des „Kids-Orga-Teams” werden Veränderungsvorschläge erarbeitet und neue Ideen entwickelt. Ein „Orga-Team”, das sich aus Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen zusammensetzt und bei dem jedes Mitglied Rede- und Stimmrecht hat, bereitet dann die Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen und neuen Ideen vor. Während des Projektes erleben die Kinder im Stadtparlament hautnah, was es heißt als Stadtvertreter und Bürgermeister tätig zu sein, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, sich mit Belangen der Einwohner und Vorgaben des Leitungsteams zu befassen.

Tillhausen führt unterschiedliche Menschen zusammen: jung und alt, männlich und weiblich, Gymnasiasten und Schüler der Förderschule, polnische und deutsche Teilnehmer. Durch das zehntägige Zusammenleben entsteht ein Gemeinschaftsgefühl und eine Identifikation mit dem Projekt. Soziales Lernen, Miteinander und Toleranz stehen im Vordergrund.

Die Umsetzung

Das „STADT-SPIEL” wurde erstmalig 1999 durchgeführt, seitdem alle zwei Jahre und vom 25. Juni bis zum 4. Juli 2013 zum achten Mal. Im Gegensatz zu anderen Kinderspielstädten, die nur tagsüber stattfinden, ist Tillhausen als zehntägige Ferienmaßnahme mit Übernachtung konzipiert und war somit bundesweit die erste dieser Art.

Kooperationspartner ist die Stadt Mölln. Weitere Partner unterstützen das Projekt: Mitgliedsorganisationen wie DRK, DLRG, Freiwillige Feuerwehr ebenso wie Geschäfte, Firmen und Betriebe. Engagierte ältere Mitbürger, zum Beispiel die Landfrauen, unterstützen das Projekt und bieten einen Arbeitsplatz an. Durch das gemeinsame Agieren von Jung und Alt wird eine Brücke zwischen den Generationen geschlagen. Arbeitsweltbezogene Jugendarbeit wird durch die Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg geleistet, die ebenfalls Arbeitsplätze anbietet.

Die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Projektes dauert circa ein Jahr. Das Projekt wird hauptamtlich geleitet, doch 90 Prozent der Mitwirkenden sind Ehrenamtliche, die bei mehreren Vorbereitungstreffen geschult werden. Regelmäßige Planungstreffen des Orga-Teams werden durchgeführt. Abschließend wird das Projekt ausgewertet und dokumentiert.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Das Projekt fördert langfristiges ehrenamtliches Engagement. Viele ehemalige Teilnehmerkinder, die auch mehrmals teilgenommen haben, sind so begeistert von dem Projekt, dass sie als Betreuer weiter mitarbeiten wollen. Sie werden vom Kreisjugendring ausgebildet, absolvieren mit 15 Jahren die Jugendleiter-Assistenten-Ausbildung und mit 16 Jahren die Jugendleiter-Ausbildung. Sie sind anschließend nicht nur beim „STADT-SPIEL”, sondern auch in anderen Zusammenhängen in der ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit tätig. Über 150 ehrenamtliche Mitarbeiter werden in das Projekt eingebunden. Durch die Beteiligung von Vereinen und Verbänden und durch Kooperationen mit weiteren Anbietern der Kinder- und Jugendarbeit wird ein kreisweites Netzwerk installiert.

Das „STADT-SPIEL” steht seit Jahren in der Öffentlichkeit und stellt das Ehrenamt und die Jugendverbandsarbeit in den Focus bei der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik. Tillhausen wurde beispielsweise offiziell zur Partnerstadt von Mölln ernannt und 2011 sogar durch den Innenminister Schleswig-Holsteins die Stadtrechte verliehen. Über das Projekt wird auch das Interesse an der Arbeit des Kreisjugendrings geweckt.

 

 

Die Erkenntniss

Das „STADT-SPIEL” ist ein Leuchtturmprojekt mit positiven Auswirkungen auf andere Arbeitsfelder. Mithilfe dieses Projektes gelingt es dem Kreisjugendring seit Jahren, Kinder und Jugendliche für die ehrenamtliche Arbeit zu motivieren und zu binden.

Wenn Kindern und Jugendlichen wie in Tillhausen ein entsprechender Raum und ein Rahmen gegeben werden, in dem sie selbstbestimmt agieren können, machen sie dies mit Spaß und großem Eifer. Sie übernehmen Verantwortung, organisieren sich selber, entwickeln Ideen und setzen diese um. Das Projekt leistet so einen nachhaltigen Beitrag zur politischen Bildung und zur Persönlichkeitsentwicklung. Das Kids-Orga-Team und viele junge ehrenamtliche Betreuer bringen neue Ideen ein, so dass sich das Projekt immer weiterentwickelt.

Das seit Jahren ungebrochene Interesse bei den Teilnehmern und den Betreuern, beim „STADT-SPIEL” mitzuwirken, ist ein Zeichen für die Qualität des Konzeptes und vor allem der Umsetzung. Die Möglichkeit der Beteiligung und des Einbringens und Umsetzens eigener Ideen schafft eine hohe Identifikation. Ohne das Ehrenamt wäre ein solches Projekt nicht realisierbar.

Was können andere daraus lernen

Das „STADT-SPIEL” kann als Best-Practice-Vorlage für Projekte anderer Organisationen dienen. Das Konzept „Vom Teilnehmer zum Teamer” des Kreisjugendrings geht beim „STADT-SPIEL” auf. So zeigen Kinder und Jugendliche, die positive Erlebnisse erfahren haben, später die Bereitschaft sich zu engagieren — im Verein, Verband, in der Gemeinde, in ihrer Schule.

Wenn Beteiligung ernst genommen und realisiert wird – bei Teilnehmern und Betreuern -, entsteht eine hohe Identifikation und ein großes Engagement bei allen Mitwirkenden.

Projektzeitraum:

25.06.2013 bis 04.07.2013

Kategorie:

Jugendverband / Jugendring

Kontakt:

Kreisjugendring Herzogtum Lauenburg e.V.

E-Mail:
projekte[at] remove-this.kjr-herzogtum-lauenburg.de
Web:
http://www.kjr-herzogtum-lauenburg.de