Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

Jugendnetzwerk Lambda e.V.

Die Idee

„Alle sind anders” (ASA) ist ein Trainingsprojekt für Auszubildende. Ziel des Projektes ist, die Diversity-Kompetenz von Auszubildenden und Berufsanfänger_innen in deutschen Wirtschaftsunternehmen und Institutionen auszubauen und gleichzeitig ein tolerantes Arbeitsumfeld für lesbische, schwule, bisexuelle, trans* und queere Jugendliche (LSBTQ) zu schaffen. Das Projekt trägt dazu bei, Auszubildende für das Thema Vielfalt - insbesondere für die Themen sexuelle Orientierung und Identität - zu sensibilisieren, Vorurteile abzubauen, Ausgrenzungsmechanismen zu identifizierten und Sozialkompetenzen auszuweiten. Das Trainingsprojekt besteht aus zwei Bausteinen: der ASA-Schulung für die Auszubildenden und der ASA-Ausbildung von innerbetrieblichen Multiplikator_innen zur nachhaltigen Implementierung der Schulungen vor Ort.

Im vom BMFSFJ geförderten Pilotprojekt haben wir von April-August 2013 knapp 1.000 Auszubildende der Deutschen Post DHL geschult, das ist der Kern des Projektes. Die künftigen Multiplikator_innen der Deutschen Post DHL schulen wir im Dezember 2013.

Warum ist diese Idee herausragend?

Zwar werden Diversity-Schulungen oft angeboten, allerdings richten sie sich thematisch überwiegend an den Dimensionen kultureller Hintergrund, Ethnie und Religion aus und werden meist eher (Nachwuchs-)Führungskräften angeboten. Die bestehenden Maßnahmen sind natürlich begrüßenswert, klammern aber häufig die Gruppe der Auszubildenden und/oder die Thematik LSBTQ aus. Diese Lücke schließt Lambda mit ASA.

Die ASA-Schulung besticht außerdem durch den Gedanken der Peer-to-Peer-Education, die Trainer_innen sind selbst junge Erwachsene, alle mit eigener LSBTQ-Geschichte und ganz unterschiedlichen Erfahrungs- und Lebenswelten.

Und: Es ist ein Novum, dass ein Jugendverband einen Konzern in LSBTQ-Fragen schult. Wir sind stolz, dass wir mit der Deutschen Post DHL gleich einen international agierenden deutschen Großkonzern für unser Konzept begeistern konnten.

Die Umsetzung

Zehn speziell für ASA ausgebildete Lambda-Referent_innen sind an 50 Trainingstagen in Zweier-Teams quer durch die Republik gereist - von Ottendorf-Okrilla bis Bonn, von Kiel bis München - um an den Standorten der Deutschen Post DHL die Auszubildenden-Gruppen zu schulen. Die Referent_innen standen nicht nur als Seminarleitung zur Verfügung, sondern auch als Person mit ihren eigenen Erfahrungen und Identitäten für Austausch und Fragen. Das Konzept lädt ein, sich mit den eigenen Bildern im Kopf auseinanderzusetzen, bietet Informationen, Austausch über eigene Diskriminierungserfahrungen jeglicher Art und stärkt das soziale Miteinander. Die Referet_innen arbeiten mit einem breiten Portfolio maßgeschneiderter, interaktiver Methoden. Eingebettet war das Projekt bei der Post in die MIDEAL-Trainings, die zum Ausbildungskonzept gehören und auf die Schulung sozialer Kompetenzen abzielen. Daher werden als Multiplikator_innen die MIDEAL-Trainer_innen geschult, um die Trainings fortzusetzen.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

In allen Schulungen ist es gelungen, bei den Auszubildenden Reflexionsprozesse anzustoßen - auch in Gruppen oder bei Personen, die eine sehr starke Ablehnungshaltung gegen LSBTQ haben. Viele Vorurteile konnten durch die offenen Fragerunden, den Austausch und den sehr respektvollen Umgang mit den Haltungen der einzelnen abgebaut oder zumindest relativiert werden.

Das Feedback der Teilnehmer_innen war daher überwiegend sehr positiv: Ihnen hat der Blick über den Tellerrand oft neue Sichtweisen gebracht und eine Sensibilität für Ausgrenzungen wurde entwickelt. Die LSBTQ in den Ausbildungsgruppen waren sehr dankbar für die Initiative von Lambda und haben die Schulungen genutzt, von eigenen positiven und negativen Erfahrungen im Arbeitsalltag zu berichten. Hilfreich war für alle, konkrete Handlungsoptionen zu finden, wie sie Menschen, die diskriminiert werden, unterstützen können oder wie sie selbst Unterstützung bekommen können.

Die Erkenntniss

Auch dort, wo Akzeptanz vielfältiger Lebensformen und Identitäten als Unternehmensleitbild formuliert ist, machen Jugendliche – insbesondere LSBTQ – Diskriminierungserfahrungen. Der Bedarf an Aufklärung unter Jugendlichen ist nach wie vor hoch, da Elternhäuser, Schulen, Medien häufig inadäquate und unvollständige Bilder von Homosexualität und Transidentität vermitteln. Queertheoretische Sicht- und Lebensweisen sind den meisten unbekannt.

Wir wollen diesen Weg der Aufklärungsarbeit weitergehen – in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen und Institutionen, deren Auszubildende wir schulen. Schon ein einmaliger Schulungstag kann neue Sichtweisen bringen, Impulse setzen und Veränderungen anstoßen. Es ist aber auch extrem wichtig, vor Ort Multiplikator_innen zu schulen und auch die Ausbilder_innen zu erreichen, denn für eine nachhaltige Haltungs- und Verhaltensänderung und eine strukturelle Veränderung braucht es oft mehr.

Was können andere daraus lernen

Es ist gut, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und unkonventionelle Wege in der Aufklärungsarbeit zu gehen – Es lohnt sich.

Projektzeitraum:

01.08.2012 bis 31.12.2013

Kategorie:

Jugendverband / Jugendring

Kontakt:

Jugendnetzwerk Lambda e.V.

E-Mail:
diana.ochs[at] remove-this.lambda-online.de
Web:
http://www.lambda-online.de