Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

Jugendfeuerwehr Hamburg

Die Idee

Hamburg unterhält weltweit Städtepartnerschaften. Auch die Jugendfeuerwehr (JF) Hamburg pflegt mit Leon, Osaka, St. Petersburg und Dar es Salaam seit langem intensive Freundschaften durch Jugendbegegnungen. Gemeinsam ist allen, dass sie Hafenstädte und Millionenmetropolen sind und alle Jugendgruppen im Feuer- oder Katastrophenschutz tätig sind. In diesem Sommer wurde von der JF Hamburg ein Landeszeltlager auf der Insel Föhr durchgeführt, zu dem wir die Partner einluden, damit möglichst viele unserer Mitglieder an einer internationalen Jugendbegegnung teilnehmen konnten und die ausländischen Gäste ein deutsches Zeltlager miterleben konnten. Die Teilnehmer sollten gemeinsam das Weltkulturerbe Wattenmeer kennenlernen und gleichzeitig auf Veranstaltungen, die junge Teilnehmer planten, Kontakte knüpfen. Schließlich nahmen Partner aus St. Peterburg und Dar es Salaam, eine Partner-Jugendfeuerwehr aus Ungarn, 36 Hamburger Gruppen und 8 deutsche Partnerwehren teil. Insgesamt waren es 650 Teilnehmer.

Warum ist diese Idee herausragend?

Es gibt in Deutschland keine weitere Jugendfeuerwehr (JF), wenn überhaupt einen Jugendverband, der so vielseitige Partnerschaften unterhält und ihren Mitgliedern damit so viele Möglichkeiten gibt, andere Kulturen kennenzulernen. In dieser Verbindung sind die Partner nicht Migranten, sondern eingeladener Gast oder Gastgeber in deren Heimat. Anders als Pauschaltouristen können Teilnehmer tief in das dortige Leben eintauchen. Jugendliche bekommen so einen neuen Zugang zur Kultur anderer Länder und unsere Mitglieder verstehen hier lebende Migranten dadurch besser. Das gemeinsame Neuland für viele, eine Insel im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, im Zeltlager am Rande des Dorfes Nieblum, weitestgehend ohne Mobilfunk-Kontakt und Steckdosen für elektronische Geräte brachte alle auf den gleichen Stand der Technik und damit zueinander. Menschen aus Gruppierungen, die noch niemals vorher in Kontakt waren oder Kenntnis über deren Kultur hatten, wurden hier eine Einheit und „ein starkes Team”.

Die Umsetzung

Seit September 2011 stand definitiv fest, dass das Zeltlager nach ersten Planungen und Anmeldungen in der ersten Sommerferienwoche vom 22. bis zum 29. Juni 2013 stattfindet. Mit 650 Teilnehmern war die Insellage eine große logistische Herausforderung. Früh wurde den Jugendlichen die Beteiligung an den Vorbereitungen angeboten. Sie interessierten sich überwiegend für die tägliche Lagerzeitung und das Lagerprogramm, was dann auch fast ausschließlich von unter 27 Jährigen eigenständig gestaltet wurde. Angebote wie Wattwanderung, Besichtigung eines Seenotrettungskreuzers und dem Kennenlernen der friesischen Kultur mit eigener Sprache, Trachten und Walfang waren für die meisten Teilnehmer neu. Mit täglichen Sportturnieren, Verleih von Sportgeräten, der Föhr-Rallye und verschiedenen Workshops und Kreativkursen war jeden Tag etwas für jeden dabei, in der eigenen Gruppe, überregional oder international. Auch abends sorgten die Jugendlichen für ein interessantes Programm mit Disco, Show, Quiz und Wettbewerben.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Die Jugendlichen lernten sich über ihre Gruppe hinaus gut kennen. Kalter Wind und Regen konnten die gute Stimmung nicht trüben. Die in Zelten angebotenen Kurse wurden reichlich genutzt und kulturelle Indoor-Angebote wie das Friesenmuseum dankbar angenommen. Mit dem Engagement der Jugendlichen wurde bereits in der Vorbereitungsphase zwischen den Beteiligten der Kontakt gestärkt und Gestaltungskonzepte entwickelt. Die Lagerzeitung hat sich für die täglichen Ausgaben Rubriken überlegt. Alle Teilnehmer des Zeltlagers konnten eigene Berichte oder Anzeigen aufgeben. Als Tageszeitung wurde sie jeden Morgen von den meisten gleich nach dem Frühstück verschlungen — Davon träumen kommerzielle Anbieter. Das Treffen der Jugendsprecher ist seit dem Zeltlager wesentlich besser besucht, da sich hier Kontakte vertieft haben. Das gleiche gilt für Fachbereichs- und Gruppenleiter sowie Betreuer. Hier konnte die Zusammenarbeit überregional und mit den auswärtigen Gruppen intensiviert werden.

Die Erkenntniss

Für alle Beteiligten war vieles neu, ob die einfache Ausstattung im Zeltlager oder das raue Nordseeklima, bei dem nicht nur die afrikanischen Gäste froren. Bildung über die besondere Kultur der Gast-Insel ebenso wie das gegenseitige Kennenlernen der Kulturen der beteiligten Länder und gemeinsames Lernen von feuerwehrtechnischen Fertigkeiten förderten das interkulturelle Zusammenwachsen zu einer Eine-Welt-Jugendfeuerwehr und Völkerverständigung. Jugendliche konnten, trotz Funkloch und Trennung von zu Hause, neue Freunde finden. Mit niedrigen Teilnehmerbeiträgen und Zuschüssen galt dies insbesondere für jene, die sonst keinen Zugang zu solchen Ferienangeboten haben. Die Partner aus Schleswig-Holstein, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommer und Berlin konnten erstmals internationale Begegnungen hautnah miterleben und Anregungen gewinnen. Jugendliche entwickelten bei der Vorbereitung des Lagerprogramms Ideen, möglichst viele teilhaben zu lassen und zeigten dabei kreatives Engagement.

Was können andere daraus lernen

Wenn Jugendliche eigenständig wirken dürfen und dort Hilfe bereitgestellt wird, wo sie benötigt wird, entstehen produktive Gemeinschaften und darüber hinaus Freundschaften. Mit der Anerkennung der Ideen von Jugendlichen für ein gemeinsames Programm entwickeln sie Selbstbewusstsein und machen wertvolle Erfahrungen in der Persönlichkeitsentwicklung. Die Jugendlichen erlangen Weitsicht durch die gemeinsamen Vorbereitungen und anschließend Erfolge bei der Umsetzung von Projekten. Durch die neu entstandenen Kontakte unter den Jugendlichen wächst über das stadtteilbezogene Engagement hinaus die Bereitschaft, den Verband in seiner Gesamtheit mitzugestalten. Mit der täglichen Zeltlagerzeitung, die Jugendliche gestalteten, wurde Nachwuchs für die Öffentlichkeitsarbeit in unserem Verband gewonnen. Internationale Jugendbegegnungen leben vom Engagement Jugendlicher bei der erfolgreichen Gestaltung als Gastgeber. Das stärkt die interkulturelle Gemeinschaft und fördert die Integration von Migranten.

Projektzeitraum:

20.10.2011 bis 16.08.2013

Kategorie:

Jugendverband / Jugendring

Kontakt:

Jugendfeuerwehr Hamburg

E-Mail:
uwe.vonappen[at] remove-this.jf-hamburg.de
Web:
http://www.JF-Hamburg.de