Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

DKSB OV Leipzig e.V. Leipziger Kinderbüro

Die Idee

Seit 2009 würdigt die Stadt Leipzig familienfreundliche Leipziger mit einem Preis. Dabei soll lobenswertes Engagement für eine familienfreundliche Stadt gewürdigt werden und einmal im Jahr ganz besonders im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen. Eine Jury aus Mitgliedern des Kinder- und Familienbeirates entscheidet über die Preisträger. Aber wo bleibt die Stimme der Kinder, um die es letztendlich geht? Das Leipziger Kinderbüro warb schließlich an Schulen aller Schulformen für die Mitarbeit in einer Kinderjury, um auf die Stimme der Kinder aufmerksam zu machen. In dieser ins Leben gerufenen Kinderjury arbeiteten zehn ehrenamtliche Kinder mit. Sie arbeitete völlig eigenständig und unabhängig von der Erwachsenenjury.

Warum ist diese Idee herausragend?

Entscheidungen, die das Leben von Kindern und Jugendlichen betreffen, werden in den meisten Fällen durch Erwachsene getroffen. Das Leipziger Kinderbüro bietet deshalb Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich an Entscheidungsfindungen zu beteiligen. Kinder und Jugendliche sollen nicht nur als handelnde Subjekte wahrgenommen, sondern auch als Experten für ihre eigenen Belange anerkannt werden. In Zusammenarbeit mit dem Leipziger Kinderbüro bot sich den Teilnehmenden eine Möglichkeit, von ihrem„Kinderrecht auf Mitbestimmung“ Gebrauch zu machen. Mit dem Projekt „Kinderjury“ befassten sie sich eingehend mit dem Thema Familienfreundlichkeit. Die Möglichkeit, eine wichtige Entscheidung treffen zu dürfen und diese dann auch selbst vertreten zu können, hat sie stolz gemacht. Von den Erwachsenen wurden sie als gleichberechtigte Partner wahrgenommen und akzeptiert.

Die Umsetzung

Kinder und Jugendliche wurden auf die Mitarbeit in der Kinderjury durch einen stadtweiten Aufruf des Kinderbüros aufmerksam. Sie sind zwischen acht und 13 Jahren alt und lernen in verschiedenen Schultypen in Leipzig. Das Angebot zur Mitarbeit reizte sie sehr und machte sie neugierig gemacht. Zunächst traf sich die Gruppe, um über die Ernsthaftigkeit und den Hintergrund der Arbeit der Kinderjury zu sprechen. Unter Anleitung des Kinderbüros und gemeinsamen Diskussionen wurde das Verfahren zur Ermittlung des Preisträgers festgelegt. In weiteren Treffen erarbeiteten sie eine Checkliste mit Kriterien, was Familienfreundlichkeit für jeden persönlich bedeutet. Es gingen circa 200 Zuschriften für den Preis ein. Jede einzelne Bewerbung wurde genau ausgewertet. Damit die Jury die Einsendungen möglichst genau einschätzen konnte, wurde nach weiteren Informationen im Internet recherchiert. Nach Auswertung der Checkliste blieben zum Schluss drei mögliche Preisträger übrig, die zur Ermittlung des Preisträgers vor Ort besucht wurde.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Die Teilnahme an der Arbeit der Kinderjury hat gezeigt, dass junge Menschen in unserer Gesellschaft etwas zu sagen haben. Die Teilnehmenden fühlten sich durch die Erwachsenen ernst genommen und haben praktisch erfahren, was es heißt, Demokratie und Mitbestimmung auszuüben. Als zukünftige Erwachsene stärken sie dadurch ihr Selbstwertgefühl, um auch später ihre Meinungen im kommunalen Gemeinwesen kundzutun. Das Erleben von Partizipation als Lernprozess motiviert zur Übernahme von Verantwortung und aktivem Mitwirken im eigenen Alltag. Durch Identifikation und Teilhabe am sozialen Leben wird das Gefühl vermittelt, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein, auf dessen Meinung gehört wird.

Die Erkenntniss

Die Möglichkeit der Teilhabe an demokratischen Prozessen junger Menschen zielt darauf hin, die Folgen des demografischen Wandels auf den gesamtgesellschaftlichen Wert von Partizipation abzuwenden. Kinder und Jugendliche soll der Wunsch nach ernsthafter Beteiligung nicht verwehrt werden. Sie sollen von ihrem „Kinderrecht auf Beteiligung und Meinungsäußerung“ Gebrauch machen und andere Gleichaltrige motivieren ebenfalls ihre Rechte im Alltag aufmerksam zu machen und auch umzusetzen.

In Fortführung des Projektes „Kinderjury“wurde ein Kinderrat gegründet. Alle waren sich einig, dass junge Menschen noch viel bewirken wollen. Besonders bei Veränderungen im eigenen Lebensumfeld wollen sie ihre Meinung kundtun und gehört werden. Dazu stehen die Mädchen und Jungen dem Leipziger Kinderbüro als „Experten“ bei den vielfältigen Partizipationsprojekten beratend zur Seite und entwickeln selbst Ideen, an welchen Stellen die Stimme der Kinder noch intensiver geäußert werden muss.

Was können andere daraus lernen

Das Projekt „Kinderjury“ hat allen nahegelegt, dass Kinder und Jugendliche etwas bewirken können. Der Wert der Partizipation ist jedem so durch praktisches Handeln bewusst geworden. Die Kinderjury möchte ein Beispiel dafür sein, anderen Mädchen und Jungen zu zeigen, wie wichtig Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist. Sie möchte sie motivieren, bei der Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfeldes mitzumachen und mitzuwirken. Eine weitere große Rolle spielt es dabei Kindern und Jugendlichen ihre Rechte nahezubringen und sie zu ermutigen, diese auch zu leben.

Projektzeitraum:

22.01.2013 bis 31.05.2013

Kategorie:

freier Träger

Kontakt:

DKSB OV Leipzig e.V. Leipziger Kinderbüro

E-Mail:
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