Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

BDKJ Berlin und ejbo

Die Idee

„TEO outdoor — Die Abenteuerschule” sind Tage ethischer Orientierung in Form einer viertägigen Projektwoche für Schüler_innen der fünften und sechsten Klasse aus Berlin und Brandenburg, die auf dem Zeltplatz der Pfadfinder (DPSG) in Michendorf stattfinden. Beteiligt sind bis zu vier Klassen unterschiedlicher Schulen. Die Ziele der Abenteuerschule sind es, den Schülern das Leben in und mit der Natur nahezubringen, sie für einen respektvollen Umgang mit der Natur zu sensibilisieren, ihnen zu verdeutlichen, was es bedeutet zusammenzuhalten und zusammenzuarbeiten. Die Teilnehmer entdecken sich als Gemeinschaft, wohnen in einem selbstgestalteten Zeltdorf, schlafen in kleinen Zelten für vier bis fünf Personen, kochen über offenem Feuer. Geleitet werden die Projekttage von ehrenamtlichen Jugendgruppenleitern der Jugendverbände Evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (ejbo) und BDKJ Berlin in Kooperation mit der DPSG Diözesanverband Berlin.

Warum ist diese Idee herausragend?

„TEO outdoor” arbeitet mit einer Impulsgeschichte, die die Teilnehmer während der Projekttage begleitet und einen thematischen Rahmen bietet. Die erlebnispädagogischen Übungen und Elemente sind in diese Rahmengeschichte integriert, sodass sie nicht künstlich als einzelne Übung wahrgenommen werden, sondern einen thematischen Bezug haben, womit eine größere Akzeptanz der Spiele und Übungen erreicht wird. Durch das ungewohnte Leben in der Natur erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse neu wahrzunehmen und zu bewerten: Nicht mehr nur das Zocken mit dem Handy ist wichtig, sondern auch, ob es ein Dach über dem Kopf gibt, wie das Essen organisiert wird und wie die Gemeinschaft die anstehenden Aufgaben gemeinsam bewältigt. Durch die ehrenamtlichen Gruppenleitungen wird ein generationsübergreifender Bezug unabhängig von Schule hergestellt: junge und alte Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit für die schöne Gestaltung einer „Klassenfahrt”. Für viele ist dies eine einzigartige Erfahrung und der erste Kontakt zur Jugendverbandsarbeit.

Die Umsetzung

Es mussten kooperierende Schulklassen gefunden werden und ehrenamtliche Gruppenleiter akquiriert werden. Durch die Kooperation mit den katholischen Pfadfindern (DPSG) konnte Zeltlagermaterial zur Verfügung gestellt werden. Die Projekttage mussten inhaltlich konzipiert und ein Trainingsseminar organisiert werden, damit die ehrenamtlichen Teamer die Projekttage konkret vorbereiten und sich mit den Herausforderungen des Outdoor-Lagerlebens vertraut machen konnten. Letzteres wurde insbesondere durch das Know-How der ehrenamtlichen Pfadfinder realisiert, da sie die Kenntnisse eingebracht haben, wie Kothen und Jurten aufzubauen sind und wie man über offenem Feuer kocht.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Durch das Stattfinden der ersten Abenteuerschule im Mai/Juni 2012 wurde unter den Ehrenamtlichen eine Euphorie losgetreten, das Angebot zu verstetigen und regelmäßig diese Projekttage für Grundschulen anzubieten. Für die regelmäßige Durchführung dieser Projekttage benötigen wir jedoch eigenes Kothen- und Jurtenmaterial, weil es einen sehr hohen logistischen Aufwand bedeutet, jedes mal das Material aus sämtlichen Pfadfinderstämmen in ganz Berlin und Brandenburg zusammen zu sammeln.

Die Ehrenamtlichen Gruppenleiter arbeiten seitdem an einem „TEO”-wiki und an der ständigen Verbesserung der Gruppenleitermappen, um allen (neuen) „TEO”-Teamern möglichst viele Methoden und Wissen über die „TEO”-Tage weitergeben zu können. Durch das Wiki werden auch für die Lehrer die Methoden dokumentiert und als Anregung für ihren schulischen Alltag zu Verfügung gestellt.

Die Erkenntniss

Die Schüler lernen durch die pfadfinderische Ausgestaltung der Projekttage Jugendverbandsarbeit kennen und sind im Anschluss oft so begeistert, dass sie dies ausprobieren möchten. Dies wird insbesondere durch die Begeisterung der ehrenamtlichen, zumeist jugendlichen Teamer bewirkt, die als Vorbild fungieren. Durch die ehrenamtliche Gruppenleitung haben die begleitenden Lehrer eine Beobachterfunktion, die sie als sehr bereichernd beschreiben. Sie können ihre Schüler ohne Handlungsdruck beobachten und aus einer anderen Perspektive wahrnehmen. Durch die Outdoor-Methodik und den Austausch mit Lehrern anderer Schulen haben sie auch die Möglichkeit, neue Impulse für ihre eigene Lehrertätigkeit zu erhalten. Durch die Möglichkeit der Beteiligung von Schulen mit sonderpädagogischem Schwerpunkt findet für viele Schüler zum ersten Mal eine bewusste und intensive Begegnung mit Kindern mit speziellem Förderbedarf statt. Hierbei wird eine Haltung von Achtung und Toleranz geschult. Lehrer lernen ehrenamtliches Engagement kennen und schätzen, mit der Hoffnung, dieses auch bei ihren eigenen Schülern zu unterstützen und anzuregen.

Was können andere daraus lernen

Die Durchführung von Schulprojekttagen mit ehrenamtlichen Teamern der Jugendarbeit ist für Jugendverbände ein hervorragender Zugang zu Schulen, um Stärken und Vorteile jugendverbandlicher Arbeit verschiedenen Zielgruppen näher zu bringen. Lehrer können die ehrenamtlichen Teamer als fachlich kompetent wahrnehmen und Entwicklungs- und Engagementpotential für ihre eigenen Schüler entdecken und fördern. Kinder, die Jugendverbandsarbeit nicht kennen, haben die Möglichkeit, sie kennen zu lernen und durch die ehrenamtlichen Teamer auch gleich Ansprechpartner, die sich selbst in einem Jugendverband engagieren und gegebenenfalls Kontakt zu einem Jugendverband in der regionalen Nähe herzustellen.

Projektzeitraum:

17.05.2012 bis 29.08.2013

Kategorie:

Jugendverband / Jugendring

Kontakt:

BDKJ Berlin und ejbo

E-Mail:
tatjana.moser[at] remove-this.bdkj-berlin.de
Web:
http://www.bildungs-raeume.de/teoklassen5-6