Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

Awo Arbeit & Qualifizierung gGmbH Solingen

Die Idee

Junge Leute von heute sind die Zukunftsgestalter von morgen: Bürgerschaftliches Engagement stärkt in diesem Sinn gleichberechtigte Teilhabe, ermöglicht Mitgestaltung, Beteiligung und unterstützt daher Integration. In den Strukturen des freiwilligen Engagements sind Jugendliche mit Migrationshintergrund bisher leider deutlich unterpräsentiert. Der Grund hierfür ist nicht mangelndes Interesse, sondern es sind Zugangshürden, die es abzubauen gilt.

Hier setzt das Projekt „Steh auf- Bewege Dich!” an. Es bietet jungen Menschen auf vielfältige Art und Weise die Möglichkeit praktische Erfahrungen durch ehrenamtliches Engagement zu sammeln, damit Verantwortung zu übernehmen und aktiv Veränderungen in der direkten Lebensumgebung selber herbeizuführen. Dieses Engagement bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln, soziale und berufliche Kompetenzen zu entwickeln, das Selbstbewusstsein zu stärken und sich in der Gesellschaft als wirksam und kompetent zu erfahren.

Warum ist diese Idee herausragend?

Das Projekt baut Zugangshürden ab, indem es gemeinsam mit der Zielgruppe neue Formen der Mitgestaltung und Partizipation entwickelt und ausprobiert, die an den Interessen und Lebenswelten der Jugendlichen ansetzen. Jugendliche werden niederschwellig für freiwilliges Engagement motiviert, beraten und vermittelt. Durch aufsuchende Arbeit im öffentlichen Raum und im Netzwerk von Kooperationspartnern wie Jugendeinrichtungen, Migranten- und Moscheevereinen wird ein Zugang zu bisher nicht erreichten Jugendlichen geschaffen. Wir machen ihnen bewusst, dass sie mit ihren Ideen ihren Stadtteil mitgestalten und selbst positive Veränderungen in der direkten Lebenswelt herbeiführen können.

Das Image von Engagement wird hierdurch verbessert, weil nicht nur einzelne aktiv sind, sondern wir auch das Gruppengefühl stärken und Ehrenamt mit Spaß verbinden. Wir unterstützen Jugendliche darin, sich als Akteure in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen. Damit verbessern wir gleichzeitig das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen.

Die Umsetzung

Das Projekt hat mehrere Bausteine. Zum einen vermittelt und begleitet die Jugend-Engagement-Börse „Mir doch egal, war einmal!” ehrenamtliche Mitmachangebote. Gemeinsam mit Kooperationspartnern werden dafür bedarfsgerechte Mitgestaltungsmöglichkeiten entwickelt. Zum anderen fördern wir auch selbstbestimmtes Jugendengagement. Durch „Youth Changemaker City” erhalten Jugendliche finanzielle und beratene Unterstützung bei der Umsetzung von eigenen Projektideen.

Darüber hinaus werden Mitgestaltungsmöglichkeiten von Projektgruppen und Veranstaltungen zum interkulturellen beziehungsweise interreligiösen Austausch angeboten. Kontinuierliche aufsuchende Arbeit, Beziehungs- und Vertrauensaufbau, sowie die Begleitung in weiterführende Hilfsangebote bei der Problembewältigung waren wichtige Methoden, um Jugendliche zu gewinnen und Kontakte zu pflegen. Regelmäßige Treffen, gemeinsame freizeitpädagogische Ausflüge trugen zur Stärkung des Wir-Gefühls der Jugendlichen sowie zur Anerkennung und Wertschätzung ihres Engagements bei.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Es konnten viele Jugendliche mit Migrationshintergrund für freiwilliges Engagement begeistert werden. Im Rahmen der Ehrenamtsbörse wurden circa 60 Jugendliche vermittelt, 160 engagieren sich in selbstbestimmten Jugendteams und 40 im Rahmen des Interkulturellen Dialoges. Etwa 200 Jugendliche wurden sekundär auf einzelnen Veranstaltungen erreicht. Zudem ermöglichte die Teilnahme an überregionalen Jugendkongressen eine Partizipation über den Stadtteil hinaus. Dafür konnten 25 Einrichtungen und Vereine gewonnen werden. Davon sind zehn ethnische Vereine und Migrantenorganisationen. Insgesamt  haben die Jugendlichen berufliche und soziale Kompetenzen erworben und an Orientierung und Selbstbewusstsein gewonnen. Darüber hinaus haben sie Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Sie erlebten, dass sie selbst etwas verändern können. Das Image von Jugendengagement hat sich durch aktive Öffentlichkeitsarbeit verbessert und engagierte junge Migranten sind zu Multiplikatoren und Vorbilder für andere geworden.

Die Erkenntniss

Gerade im Rahmen von Integration wirkt gesellschaftliches Engagement als wichtiger Motor. Es zeigt sich, dass Jugendliche verschiedenster kultureller und sozialer Herkunft durchaus Interesse an bürgerschaftlichem Engagement haben und sie sich, wenn Zugangsbarrieren abgebaut werden, aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen. Insbesondere die aufsuchende Arbeit stellt hier einen wichtigen Weg dar, um bisher wenig bis gar nicht erreichte Jugendliche für Engagement zu begeistern. Die Gewinnung von Migrantenselbstorganisationen und Moscheevereinen als Kooperationspartner hat dazu beigetragen, dass Jugendliche mit vielfältigen Hintergründen motiviert werden konnten. Durch die Förderung des selbstbestimmten Engagements erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, aktiv ihr direktes Lebensumfeld mitzugestalten. Sie erfahren, dass sie selbst etwas verändern können und werden sich ihrer Verantwortung für sich und andere bewusst. Die Tatsache, das Ehrenamt bei uns mit Spaß verbunden ist, wurde in die Öffentlichkeit getragen. Das Image verbesserte sich.

Was können andere daraus lernen

Aufsuchende Arbeit und Kooperation mit verschiedensten Vereinen, insbesondere auch Migrantenselbstorganisationen und Moscheenvereinen, schaffen einen Zugang zu oft nur schwer zu erreichenden Jugendlichen. Gleichzeitig bieten sie Anstöße zur Interkulturellen Öffnung von bestehenden Jugendeinrichtungen im Stadtteil, die nachhaltig wirken. Die Etablierung von bedarfsorientierten Mitgestaltungsmöglichkeiten für Jugendliche zielt auf die Interessen dieser Zielgruppe ab. Hierdurch werden sie nicht passive Empfänger, sondern aktive Gestalter des bürgerschaftlichen Engagements. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung des Lebensumfeldes eröffnet ihnen einen neuen, direkten Zugang zu ihrer Nachbarschaft und trägt zu ihrer Einbindung in diese bei. Ebenso erfährt die Öffentlichkeit von ihrem Engagement. Sie werden zunehmend als positive Menschen gesehen, die etwas für ihre Gemeinschaft leisten. Es ist ratsam Anerkennungs- und Wertschätzungsmethoden gemeinsam mit Jugendlichen zu entwickeln, den Gemeinschaftssinn zu stärken und den Spaßfaktor nicht zu vergessen.

Projektzeitraum:

01.10.2010 bis 01.10.2013

Kategorie:

sonstige

Kontakt:

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