Heinz-Westphal-Preis

H|W|P - Die Dokumentation

Arbeiterwohlfahrt UB Hochsauerland/Soest

Die Idee

Die Gruppe „Migranten mischen mit” setzt sich aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund zusammen und engagiert sich sozialpolitisch: Sie mischt in der kommunalen, aber auch in der Landes- Bundes- und Europapolitik mit. Sie entwickelt Projekte, arbeitet in verschiedenen kommunalen und bundesweiten Netzwerken mit, berichtet öffentlichkeitswirksam über ihre Themen und ist vertreten in verschiedenen Gremien. Der Fokus der Gruppenarbeit ruht auf den Migrationserfahrungen der Jugendlichen mit ihren Interessen und Bedürfnissen. Es wurden zahlreiche Projekte zum Thema Partizipation, Integration, Menschenrechte, Rassismus und Antisemitismus entwickelt und durchgeführt.

Zum Thema Partiziation führten die Jugendlichen eine qualitative Befragung als Leitfrageninterview durch. Befragt wurden 20 Jugendliche aus Migrantenfamilien, die nach ihrer Einwanderung eine erfolgreiche Bildungslaufbahn in Deutschland absolviert haben. Das Thema der Befragung heißt: „Die andere Seite – Migranten mit Erfolg”.

Warum ist diese Idee herausragend?

Als Gruppe „Migranten mischen mit” nutzen die Jugendlichen ihre Chance, ihre kulturellen Kompetenzen, ihre eigene Bedürfnisse und Interessen in die Öffentlichkeit zu tragen und aktiv im gesellschaftspolitischen Umfeld mitzuwirken. Da die Gruppe feststellte, dass „Migranten” in den Medien häufig mit negativen und defizitären Begriffen versehen werden, ist es ihnen ein Bedürfnis, ihr Image in der Öffentlichkeit zu verbessern. Sie zeigen anhand einer qualitativen Studie, dass Migranten über viele Kompetenzen und Potenziale verfügen. Die durchgeführte Fragebogenaktion „Die andere Seite – Migranten mit Erfolg” befasste sich mit der Erfassung wichtiger Merkmale wie Biografie, Schule und Beruf, Bildungsperspektiven, Unterstützungsmöglichkeiten, Vor- und Nachteile der Migration oder Ratschlägen von eingewanderten Personen, die eine erfolgreiche Integration erreicht haben. Die Ergebnisse werden im Herbst diesen Jahres dem Integrationsrat, dem Jugendhilfeausschuss und in verschiedenen Arbeitskreisen in Lippstadt vorgestellt und mit Politikern und Vertretern der Jugendarbeit diskutiert.

Die Umsetzung

Die Idee zur Befragung entstand im Mai 2012 durch die defizit- und problemorientierten Berichtserstattungen über Migranten in den Medien. Die Jugendlichen möchten durch die Darstellung positiver Beispiele einen Paradigmenwechsel in der Bevölkerung erreichen. Im Juni erhielten die Jugendlichen theoretische Inputs zur Umsetzung einer qualitativen Befragung, sodass schließlich von Juli bis August Leitfragen erstellt werden konnten.

Von September bis Oktober wurden die Jugendlichen auf die bevorstehenden Interviews vorbereitet und erhielten eine Einführung in das technische Equipment. Schließlich wurden Termine mit Migranten vereinbart und von November 2012 bis Januar 2013 mit jeweils zwei Jugendlichen Befragungen durchgeführt. Daraufhin wurden von Februar bis Mai die Interviews wurden transkribiert und von Juni bis September Auswertungskategorien erstellt denen die Ergebnisse zugeordnet wurden. Eine Erfassung der Gesamtbewertung fand im Anschluss statt.

Von Oktober bis Dezember wurden die Ergebnisse dann in der Öffentlichkeit präsentiert.

Welche Auswirkungen hatte das Projekt

Die positiven Effekte der Fragebogenaktion wirken sich als Synergieeffekt für verschiedene Zielgruppen aus. Dazu gehören die Gruppe „Migranten mischen”, Politikern, Vertreter der Jugendarbeit und Migranten in Lippstadt. Die Gruppe „Migranten mischen mit” profitiert von den erworbenen Kenntnissen einer wissenschaftlichen Arbeit, das Kennenlernen positiver Beispiele erfolgreicher Bildungskarrieren von Eingewanderten. Anhand dessen reflektieren sie ihre eigene Biografie und sind motiviert, für eigene Ziele zu kämpfen. In Rhetorikseminaren erlernten sie das sichere Auftreten für die zukünftige Öffentlichkeitsarbeit. Politiker und Vertreter der Jugendarbeit lernen anhand authentischer Beispiele und aus dem Blickwinkel von Migranten, die lebensweltbezogenen Bedürfnisse von Betroffenen kennen und können sich mit ihnen über neue Ansätze integrativer Bildungs- und Integrationsarbeit austauschen. Migranten in Lippstadt sollen durch die Lobbyarbeit der Gruppe erreicht werden. Zum einen möchten sie ihnen durch die erfolgreichen Ergebnisse Motivation für eine Bildungskarriere geben, zum anderen hoffen sie auf eine Unterstützung der Fachkräfte in der Jugendarbeit und Politiker.

Die Erkenntniss

Die Auswertung der Fragebogenaktion zeigt, dass Migranten trotz erschwerter Bedingungen ihre Ziele erfolgreich schaffen können. Viele der Interviewten sehen Vorteile in ihrer Migration — allerdings erst verstärkt im Berufsleben. Um eingewanderten Menschen Mut und Impulse zu geben, raten die interviewten Migranten, für sich zu kämpfen, bei Gefühlen der Ausgeschlossenheit bei sich anzufangen und nicht aufzugeben. Sie empfehlen, nach Vorbildern zu suchen, an denen sie sich orientieren können, eigene Stärken zu finden, auf das Positive zu achten und die eigene Migration als Bereicherung zu sehen. Fast alle der Interviewten waren sich einig, dass man seine Ziele erreichen kann, wenn man dafür kämpft. „Wenn man es wirklich will, dann schafft man alles. Man muss einfach viel lernen, Deutschland ist ein faires Land.” Mit der Fragebogenaktion schafft die Gruppe den Dialog und die Auseinandersetzung mit Politikern und Verantwortlichen in der kommunalen Szene. Das „Gehört werden” und „Wahrgenommen werden” zu den Themen, die für Jugendliche lebensrelevant , führt dazu, dass sich jugendliche Migranten ernst genommen fühlen und sich somit ein „Wir-Gefühl” entwickeln kann, über das sie sich definieren können.

Was können andere daraus lernen

Das Beispiel der Gruppe „Migranten mischen mit” zeigt, dass junge Migranten motiviert sind, sich zu integrieren, sich aktiv zu engagieren und sich gesellschaftspolitisch zu betätigen. Mit ihren Aktivitäten fühlen sich die Gruppenmitglieder in der Kommune (und darüber hinaus) bestätigt und erfahren eine hohe gesellschaftliche Anerkennung.

Sie sind für die eigene Zielgruppe der Migranten aktiv und schaffen durch positive Beispiele Vorbilder, an denen sich neu eingewanderte Jugendliche orientieren können.

Jugendpolitische Arbeit mit Migranten könnte im ganzen Bundesgebiet Erfolg haben, denn viele junge Menschen mit Migrationshintergrund sind motiviert und möchten aktiv an der Gestaltung ihres neuen Lebensumfelds mitwirken. Hierzu benötigen sie eine Plattform, auf der sie begleitet werden, um eigene Bedürfnisse und Interessen zu entdecken, entsprechende Projekte und Aktionen zu entwickeln und sie in der Politik zu vertreten.

Projektzeitraum:

01.05.2012 bis 31.12.2013

Kategorie:

freier Träger

Kontakt:

Arbeiterwohlfahrt UB Hochsauerland/Soest

E-Mail:
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Web:
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